Elisabeth Kuveke

Seit vielen Jahren beobachte ich täglich, dass Kinder ganz natürlich aus eigenem Antrieb lernen. Sie kommen auf die Welt und wissen, was wann dran ist. Sie wissen, wann sie Hunger haben und wann sie satt sind, sie spielen mit ihren Fingern und tun das nicht aus Langeweile, sondern weil in ihnen selbst ein Antrieb vorhanden ist, der weiß, dass es sinnvoll ist, wenn sie das tun.

 

Und so geht es jahrelang weiter: Drehen, krabbeln, laufen, sprechen, anziehen, malen, aufs Klo gehen, klettern usw. Immer kommt der Impuls von den Kindern selbst. Sie wissen, wann sie dafür bereit sind und wie sie es lernen wollen.
In anderen Kulturen sind es teilweise andere Dinge, die die Kinder dann lernen. Dadurch wird klar, welche Rolle die Erwachsenen haben: Sie dienen als Vorbild, als sicherer Hafen, sie bieten Liebe, Bindung, Aufmerksamkeit und Vertrauen.

 

In unserer Kultur haben die Kinder die Möglichkeit weitestgehend 6 Jahre lang nach diesen Prinzipien aufwachsen zu können. Aber, ab dann kommt ein Bruch. Ab da dürfen die Kinder nicht mehr selbst bestimmen, wann sie was lernen möchten, denn dann übernehmen der Staat, die Schule, die LehrerInnen und die Eltern diese Aufgabe.

Am Anfang sind viele Kinder davon auch noch ganz begeistert, weil sie werden ja auch dauernd gefragt: „Und freust du Dich auf die Schule? oder „und wie ist es in der Schule?“ Spätestens nach 3 Jahren, wenn die Kinder dann auch noch für ihr geleistetes bewertet werden, ist die Freude bei den meisten Kindern verschwunden.

Und inzwischen bin ich mir absolut sicher, dass das so nicht sein müsste.

Wenn Kinder lernen dürfen und nicht müssen, wenn sie nach ihren Fähigkeiten und ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechend tätig sein können, dann würde ihre Lernbegeisterung nie aufhören.

Und das ist mein Ziel! Ich möchte dazu beitragen, dass viel mehr Kinder an solchen Orten lernen dürfen, wo das möglich ist.

Aber es geht nicht nur darum passende Orte für Kinder zu schaffen. Auch wir Erwachsenen, die Eltern und PädagogInnen brauchen Unterstützung. Die meisten von uns hatten nicht die Möglichkeit so aufzuwachsen. Das heißt, es geht auch darum unsere eigenen Prägungen, Glaubenssätze und Strukturen zu hinterfragen, aufzuarbeiten und Wege für Neuerungen zu schaffen. Mit dem Kindernest Spielraum West, den Kommunikations- und Intuitive Pädagogik- Seminaren habe ich dafür Möglichkeiten geschaffen. Hier können wir Erwachsenen das Vertrauen erarbeiten, dass nicht wir die Motivatoren unserer Kinder sind, sondern dass es die Kinder selbst sind, aber unser Vertrauen und unsere Begleitung dafür erhalten.